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live2give betreibt Forschung und Entwicklung im Bereich regenerativer Anbausysteme im Gemüsebau. Neben eigenen Versuchen am Standort in Dickendorf, bestehen Kooperationen mit der Universität Gießen und dem DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück. 

Aktuelle Projekte

Eigene Fragestellungen

Mulch-Direktsaat von Möhren und Rote Bete

Rote Bete kurz nach der Keimung in Mulch

Seit 2019 wird am Bio-Gemüsehof Dickendorf „minimalinvasiver“ Möhrenanbau praktiziert. Hierzu wird nach dem Mähen und Abfahren eines blühenden Wickroggenbestands der Boden lediglich flach geschält, um die Winterzwischenfrucht flächig zu unterschneiden. Anschließend erfolgt die Aussaat der Möhren direkt auf den etwa 3 cm tief liegenden Bearbeitungshorizont und damit auf die wasserführende Schicht. Eine Inkarnatklee-Untersaat, ausgesät kurz vor dem Schließen des Möhrenbestandes, bietet zusätzliche Durchwurzelung und stabilisiert den Boden bei der Ernte.

Das Verfahren soll nach den positiven Erfahrungen der letzten Jahre nun einen Schritt weitergebracht werden hin zur Mulch-Direktsaat. Ziel ist, durch eine permanente Bedeckung Wasser einzusparen, das Bodenleben zu schützen, das Erosionsrisiko zu reduzieren und den Aufwand für Unkrautregulierung weiter zu senken.

Tastversuch Wurzelgemüse

Hierzu läuft aktuell ein Tastversuch mit Möhren und Rote Bete mit folgenden Varianten:

  • Direktsaat in lebenden Wickroggenbestand, Abschlegeln etwa eine Woche nach Aussaat
  • Direktsaat in lebenden Wickroggenbestand, Walzen etwa eine Woche nach Aussaat
  • Direktsaat in geschlegelten Wickroggenbestand
  • Direktsaat in gewalzten Wickroggenbestand
  • Kontrolle: minimalinvasives Verfahren wie aktuell im Betrieb praktiziert

Ausblick: Fruchtfolgeversuch Mulch-Direktpflanzung

Aufbau Fruchtfolgeversuch

In der Saison 2022 beginnt in Dickendorf ein umfassender Fruchtfolgeversuch mit folgendem Aufbau:

  • Siebengliedrige Fruchtfolge, die selbst Biomasse für Mulchmaterial generiert in folgenden Varianten:
  • System mit permanenter Bodenbedeckung und optimierter Durchwurzelung
  • System mit permanenter Bodenbedeckung
  • System mit optimierter Durchwurzelung
  • Kontrolle: Gängiges Verfahren im ökologischen Gemüsebau

Erweiterte Spatendiagnose

Grundsätzlich soll untersucht werden, welche Effekte eine permanente Bodenbedeckung mit gleichzeitig dauerhafter Durchwurzelung hat. Außerdem soll geklärt werden, welchen Anteil die Durchwurzelung und welchen Anteil die Bodenbedeckung an diesen Effekten hat.

Die zu untersuchenden Parameter beinhalten die Erträge (bei Biomasse und Gemüse) sowie Nährstoffe und Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen beim Gemüse, den Bodengefügeindex (erweiterte Spatendiagnose), Bodendichte und -temperatur, Nährstoffgehalte im Boden, sowie Bodenfeuchte und Wasserinfiltration.

Die Versuchsflächen werden in diesem Sommer vorbereitet, im Herbst sollen dann bereits die entsprechenden Winter-Zwischenfrüchte ausgesät werden.

Kooperationen

Ökoleitbetriebe Rheinland-Pfalz 

Seit 2014 laufen als Teil des Projekts „Ökoleitbetriebe Rheinland-Pfalz“, in Zusammenarbeit mit dem DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück Versuche zu Mulchsystemen im Bio-Gemüsebau. 

Das in Dickendorf praktizierte Anbausystem der Mulch-Direktpflanzung vereint zahlreiche Aspekte einer bodenaufbauenden Gemüseproduktion. Neben anderen Funktionen dient die Mulchauflage als Nährstoffquelle für die Gemüsekultur. Allerdings ist jeweils nur ein Teil des organisch gebundenen Stickstoffs während der ersten Vegetationsperiode für die Kulturpflanze anrechenbar. In Abhängigkeit vom C/N-Verhältnis des Mulchmaterials und der jeweiligen Kulturdauer gibt es hier Richtwerte als Kalkulationsgrundlage.  

Um dies zu präzisieren und weitere belastbare Daten zu erhalten, wird aktuell untersucht, wie viel Stickstoff aus unterschiedlichen Mulchmaterialien im Laufe einer Kulturperiode für eine Gemüsekultur anrechenbar ist. Wir vergleichen Wickroggen mit Grünlandschnitt, frischem Kleegras und Kleegrassilage. 

Die Ergebnisse werden von Gaetano Bergmann, betreut durch Prof. Dr. Elmar Schulte genannt Geldermann (Seg) von der TH Bingen im Rahmen einer Bachellor-Arbeit veröffentlicht. 

Öko-Leitbetriebe Rheinland-Pfalz

EIP-Agri-Projekt „Mulchgemüse Hessen – Wirtschaftlicher Gemüseanbau in naturnahem Mulchsystem

Pflanzung einer Versuchsanlage mit dem MulchTec-Planter

Mulchsysteme könnten einen Beitrag zur nachhaltigen Lebensmittelversorgung, durch den Verzicht von Pflanzenschutzmitteln oder die Förderung der Humusbildung, leisten. Die Operationelle Gruppe kombiniert das Transfer- und ln-situ- zum Kombi-Mulch-Verfahren. Den Arbeitsaufwand bei der Mulchpflanzung soll eine innovative Pflanzmaschine, der MulchTec Planter, ausgleichen. Ziel ist qualitativ hochwertiges, regionales Gemüse mit ökologischem Mehrwert zu ähnlichen Preisen wie gängiges Gemüse zu produzieren. Auch Betriebe in „Nicht-Gemüseregionen“ sollen so nachhaltiges Gemüse produzieren können.

Der Bio-Gemüsehof Dickendorf berät die Betriebe der operationellen Gruppe „Mulchgemüse“, bestehend aus fünf ökologisch wirtschaftenden Betrieben in Mittelhessen und führt dort Lohnpflanzungen mit dem MulchTec-Planter durch.

Ein Exaktversuch an der Lehr- und Versuchsstation „Weilburger Grenze“ der Uni Gießen ist eine wichtige Ergänzung zu den Praxisversuchen auf den erwähnten Betrieben. In den Jahren 2020 bis 2023 soll der Versuchsaufbau mit drei Varianten (Kombimulchverfahren mit und ohne Bodenbearbeitung sowie Kontrolle ohne Mulch) zeigen, wie sich der Humusgehalt in den einzelnen Varianten entwickelt und wie sich die Nährstoffkonzentrationen im Boden nach Ablauf der ersten Fruchtfolge auf den Geber- und Nehmerflächen verändern. Hierbei liegt ein besonderes Augenmerk auf der Entwicklung der Gemüsekulturen und den Erntemengen der im Versuch angebauten Kulturen in verschiedenen Versuchsvarianten.

EIP-AGRI Projekt